gelesen # 5, El Eternauta, avant verlag 2016

 

Eternauta: Die Story ist von Hector German Oesterheld, gezeichnet wurde er von Fransisco Solana Lopez. Der Comic ist 2016 im Avant Verlag auf Deutsch erschienen und von 1957-59 in argentinien enststanden. Er beginnt in einem Vorort von Buenos Aires.  Eternauta ist der Name eines Zeitreisenden durch die Dimensionen. Der Comic beginnt im Arbeitszimmer des Autors, in dem der Eternaut aus dem Nichts (oder einer anderen Zeit) auftaucht und ihm seine Geschichte erzählt.


Er beginnt mit einer Kartenspielrunde unter Freunden im Haus des Protagonisten, dort ist noch seine Frau und ihr Kind.  Es beginnt zu schneien. Jeder der den Schnee abbekommt stirbt auf der Stelle. Die Gruppe verschanzt sich im Haus und sie bauen sich Anzüge um herausgehen zu können. So erkunden sie nach und nach was los ist und suchen nach anderen Überlebenden. Das Militär organisiert Widerstand  und die Gruppe schließten sich an. Es wird klar, dass Ausserirdische eine Invasion auf die Erde versuchen. Gemeinsam erbeuten sie eine ihrer Strahlenwaffen und kämpfen sich bis ins Stadion vor, wo sie sich erst mal verschanzen. Es hört auf zu schneien und es folgen weitere Schlachten mit immer perfideren Angriffsmethoden, Psychomanipulationen und verschiedenen Gegnern. Viele fallen den Kämpfen zum Opfer und sehr verzweifelt entscheidet sie zum Zentrum vorzurücken.


Das Zentrum oder der Feind wird durchgehend mit "Sie" bezeichnet. Die Gruppe kämpft gegen ferngesteuerte Käfer und Gurbos ( riesige vierfüßige Kampfmaschinen, die langsam in die Geschichte eingeführt werden indem man sie nur hört, man hört ihre Schritte die wie Erdbeben sind), sowie andere Menschen, die mit Sender im Genick assimieliert wurden. Gesteuert werden sie von den Händen. Menschenähnliche mit sehr vielen Fingern mit denen sie Terminals bedienen. Sie sind von "Ihnen" unterworfen worden und dürfen keine Angst haben, sonst sterben sie. Das verzweifelte Heer bezwingt  die Manipulationszentrale der feindlichen Truppen und schaltet den Schutzschirm aus. Eine Atombombe, die von unbekannten anderen stammt, zerstört das Zentrum dann völlig und die anfängliche Gruppe kehrt wieder nach Hause zurück, wo sie wieder auf die Frau und das Kind Treffen. Es fängt wieder an zu schneien. Im Radio kamen dann endlich Nachrichten über schneefreie Schutzzonen und die Gruppe besorgte sich einen Laster und brach auf die Zone zu erreichen. Sie schafften es dorthin und mussten erkennen das "Sie" sie in eine Falle gelockt hatten. Der Eternaut, seine Frau und ihr Kind, schaffen es in ein Flugobjekt von "Ihnen" zu gelangen und schalten es ein und können so fliehen. Leider nicht gemeinsam, die Frau und das Kind reisen in eine andere Zeit.
Der Eternaut gelangt nach Kontinuum 4 (einer anderem Dimension?)  und trifft auf eine Hand, redet mit ihm, ein freundschaftliches Gespräch über Solidarität. Der Plot wechselt, wie gegenübergestellt, wieder zum anfänglichem Gespräch des Autors mit dem Eternauten. Die Geschichte spielt 1963 und im Gespräch ergibt sich der Sprung in die Realität, ins Jahr 1959. Der Eternaut geht zu seinem Haus, der Autor will ihn zurückhalten, doch der Eternaut erkennt ihn nicht mehr. Er ist wieder bei seiner Frau und seinen Kindern und seine drei Freunde kommen zum Kartenspielen. Es beginnt wieder von vorne und der Autor fragt sich ob er mit dem Aufschreiben der Geschichte die zukünftigen Schrecken verhindern kann.     


Vor ein paar Jahren, habe ich beim chatten mit einem argentinischen Bekannten vom Eternauten erfahren, ich kannte ihn nicht. Er hat mir eine argentinische Ausgabe davon geschickt. Nun ist er 57 Jahre nach der Ersterscheinung auf Deutsch erschienen. Die Geschichte hat 351 Seiten, dazu gibt es noch 24 Seiten Einführung und zum Schluss zur Rolle des Eternauten in Politik und Kunst. Insgesamt hat der Hardcoverband vom Avantverlag 390 Seiten. Die Ausgabe ist doppelt so Groß wie das Original.
Ich habe den Band in zwei Tagen gelesen, er ist durchgehend spannend und lebt von seinen Dialogen. Die Schleife am Ende und die Frage des Autors lässt einen erst mal nicht mehr los. Die Story beschreibt einen Teil der argentinischen Geschichte der von Diktatur geprägt war, noch davor. Es ist ein moderner Klassiker. Die Geschichte von Oesterheld ist unangenehm Modern und man hat sehr viele Möglichkeiten zur Interpretation der ferngesteuerten Feinde, die von den Händen an Terminals bedient werden und von einer noch größeren Macht gesteuert werden. Es erzählt einem viel von der argentinischen Geschichte und ist eng mit dem Schicksal des Autors selbst verbunden. Seine Frau verstarb 2015, er selbst und seine vier Töchter sind "Desaparecidos", verschwundene Gegner der Militärdiktatur, vermutlich 1978.


Der Eternaut ist ein sehr spannender zeitkritischer Comic, der einen auch nach längerer Zeit noch beschäftigt. Er bringt die Frage auf, wie man aus Schleifen herauskommt und wie sich Diktatur anfühlt, wie die anderen zu Feinden werden, wie eine unsichtbare Macht wirkt, die alle manipuliert. Sie wollen uns mit ihrer technologischen Überlegenheit blenden, um uns in ihr Netzwerk einzugliedern. Der Schein der Diktatur erstrahlt als sonnenkönigartige Zentrale, als Energie Bündel, dass durch die Hände verwaltet wird und die Invasion steuert.

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